„Du musch wähle gehe, isch so wichtig! Grad heutz’tag!“ Du musst wählen gehen, ist so wichtig, gerade heutzutage, sagen die, die es wissen müssen. Dann gehst du wählen und sie fragen dich:“ Was hesch gewählt?“ Was hast du gewählt? Und du sagst was du gewählt hast. „Wärsch besser nit wähle gange!“ Wärst besser nicht wählen gegangen, sagen dann die, die es wissen müssen. Demokratie ja, aber nur so, wie es mir passt. Die Hintern werden immer breiter, und die Hirne immer flacher und wehe, da will einer was dran ändern. Dann gehen wir wählen! Aber sowas von!
Ewigkeits-Speicher von Microsoft
Microsoft entwickelt einen Datenspeicher aus Spezialglas. Die Daten werden da reingebrannt und sind 10000 Jahre ablesbar. Toll, aber an was wieder mal nur wir gedacht haben: schon in 10 (zehn) Jahren gibt es kein Programm mehr, welches diese Daten lesen kann. Vielleicht aber wieder in 10000 Jahren, durch Evolution.
Bahnt sich was an: Stars und ihre Beziehungen
Was uns Aussenstehende und normalen Leute ja nun wirklich überhaupt nichts angeht, sind die Unterhosen von anderen Leuten, besonders die von berühmten Leuten. Trotzdem giert eine Mehrzahl von Menschen nach Informationen aus diesem dumpf-miefigen Bereich ausserirdischen Lebens. Was heisst da Mehrzahl – man geht davon aus; die Algorithmen habens errechnet und wir glaubens. Immer wieder stolpern wir optisch über Schlüpfer-Schlagzeilen, wo Berühmtheiten das Ende ihrer Beziehung bekanntgeben. Irgendein Jeanpierre hat sich von so einer Vanessa getrennt. Jetzt erfolgt wieder eine Annäherung, meldet der Mediensumpf. Man hat Jeanpierre mit seiner Ex in einer Kneipe gesehen. Ja und? Sie sind zusammen – brüllen die Schleimhautapologeten. Wir sagen, ja, beim Essen. Ist das schon Beziehung? Bedeutet das schon Alimentekompatibilität? Was, wenn die beiden einfach so zufrieden sind? Der eine liest was, die andere klickt sich durchs Internet, alles auf einem Sofa. Schock: Was, wenn es dabei bleibt? Die Medien glauben das nicht, wollen das nicht glauben, sie urteilen aus der eigenen Unterhose heraus und in eure hinein. Und ihr fallt drauf rein. Leider, doch, da ist nix, Leute, da ist jedenfalls nicht das, was ihr euch zusammenträumen müsst, getrieben von den Dealern der Klicksucht. Und PS.: Der Typ heisst nicht Jeanpierre, sondern Raul mit so einem komischen Apostroph, den wir aber zu faul sind zum Suchen und Jeanpierre meint doch ziemlich dasselbe. Wir hoffen, ihr seid uns deswegen nicht instagram. (Instagram! So ein blöder Name, aber wers braucht…)
Streikbrecherin Natur
In Köln streikt Bahnpersonal, jetzt streikt auch noch – oder schon wieder – die Natur. Wegen Wetter fallen Signalanlagen aus, sowie komplette Züge und Busse. Das klingt nach übler Einmischerei. Da haben Gewerkschaften einen Streik vorbereitet mit allem drum und dran und da kommt die Natur mit ihrer Konkurrenzveranstaltung. Was nutzt denn dann der ganze Streik? Stell dir vor es ist Streik und keiner kommt hin.
Schockbilder wirkungslos?
Soeben wurde nachgewiesen, dass die Schockbilder auf Zigarettenpackungen durch Gewöhnung wirkungslos werden. Der Zigarettenverband nennt sie „nicht mehr zeitgemäss“. Die Schockbild-Industrie überlegt, sich auf andere Felder zu verlegen. ZB. Schnelle Autos. Die Folgen von Raserei und Drängeln als buntes Foto am Auto könnten zwar die anderen abschrecken, aber die Fahrer noch dreister machen. Oder Klamotten: Die Zwänge der allgegenwärtigen Glukosehölle und Appetitkultur mal optisch benennen! Überal tun sie Zucker rein, völlig unnötigerweise und offenbar bloss, um die Menschen zu willensarmen Konsumkugeln zu machen. Da muss man was dagegen tun! Aber man fühlt sich so machtlos: Auf den Riesenlappen von Jeans könnte die schockierende Folge von Fresssucht und Zuckerblödheit aufgebügelt werden, aber wozu? Der Träger sieht das ja selber nicht, der ist froh, wenn er die Jeans anbekommt. Und ausserdem sehen die andern das natürliche Schockbild, ganz ohne Foto und glauben inzwischen, das sei „zeitgemäss“. Ist das der Gewöhnungseffekt?
Krankschreibung per Telefon?
Jetzt will die Politik die Krankschreibung per Telefon verbieten. Wie? Die konnten sich krank melden per Anruf: „Hallo Chef, bin krank“? Bei weiterlaufender Gehaltszahlung natürlich. Seit vierzig Jahren bekommt unsereins sein Geld nur nach erfolgtem Auftritt. Verhandlung, Anreise, Auftritt, Gage, Heimreise. Allein die Reiserei ist ein Beruf, und zwar ein anstrengender. Und da können die deutschen Mitbrüder und -schwesten einfach beim Chef anrufen und daheimbleiben? Und jammern auch noch? Wenns nach uns ginge, bekommt in Zukunft jeder sein Geld erst nach der Leistung. Dann kann er krank feiern, wie er will. Und wenn er jammert, gibts ein Monatsgehalt Abzug. Also sowas! Seid ihr da draussen solche Weicheier?
