Klimakompetenz, volksnah

1.7.17 Es ist Sommer, es ist heiss, die Türen stehen offen im Supermarkt. Man fragt die Verkäuferin, ob es ihr zu kalt sei. Nein, ihr sei es zu warm! Warum sie dann die Türe offen stehen lasse? Damit Luft reinkommt! Aber die Luft von draussen sei doch doppelt so warm wie drin? „Mir egal, i schwitz!“ Im Winter sieht es anders aus. Die Kaufhaustür steht offen, draussen ist es kalt, drinnen überheizt. Warum lässt man die Tür offen stehen? Will man die Fussgängerzone heizen? „Mir egal, i schwitz!“ Ach ja, das Volk, der gesunde Menschenverstand und Mitbestimmung als Grundwert. Wurscht. Inzwischen standen die Türen so lange offen, dass es schon gar nicht mehr Winter werden will.

Alles für alle

30.6.17 Jetzt kommt immer mehr für alle. Zunächst die Ehe für alle, dann das Grundeinkommen für alle. Wenn der Ehe-Partner krank wird, weiss der Staat jetzt schon, wem er die Rechnung schicken kann. Jetzt fehlt bloss noch die Scheidung für alle, ehe das Grundeinkommen alle ist.

Zahlungsfähiger Becker

29.6.17  Tennislegende Boris Bum Bum Becker verwahrt sich gegen die Bewertung eines Londoner Gerichts als zahlungsunfähig. „Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite,“ so Becker. Wenn man für „pleite“ den Begriff „zahlungsunfähig“ einsetzt, kommt raus: ich bin weder zahlungsunfähig noch zahlungsunfähig. Der Gebrauch des „weder – noch“ irritiert in diesem Zusammenhang. „Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite,“  bedeutet im Umkehrschluss: Ich bin weder zahlungsfähig, noch habe ich Geld. Vielleicht meint er: ich bin zahlungsfähig, aber unfähig zur Zahlung? Zahlungsfähig pleite

Kommt Frauenquote bei „Ehe für alle“?

29.6.17 Falls sich die Maxime: „Ehe für alle“, die sich soeben alle Parteien spontan auf die Fahne geschriebene haben, als nicht ausgereift herausstellt, gibt es die bewährte Lösung Frauenquote, ein legitimes Hilfsmittel, wie Martina Feierling-Rombach in der Bad. Ztg. vom 28.6.17 „Wirtschaft“ aktuellerweise bestätigt.

Ehe jetzt ohne Fraktionszwang

27.6.17 Das hätte man der Dame nicht zugetraut: ab jetzt gibt es keinen Fraktionszwang mehr beim Heiraten. Egal, welcher Fraktion der Heiratswunsch entsprungen ist. Endlich redet Merkel Fraktion…äh, Fraktur.

Hurricane in Scheeßel: Selber schuld?

23.6.17 „Besucher beim Festival „Hurricane“ in Scheeßel bei Bremen flohen kurzzeitig in ihre Autos“, so Spiegel online. Schon letztes Jahr haben wir vorgeschlagen, den Festivalnamen „Hurricane“ zu ändern, etwa in „Laues Lüftchen“ oder „Sanfte Brise“, aber nein, wir stießen auf taube Ohren. Und wieder kam der Sturm, wen wundert’s? Es liegt am Namen. Und nicht am Klimawandel. (Anm. d. Red.: Denkhilfe für Satireisolierte: Gemeint ist der Name „Hurricane“ und nicht „Scheeßel“. Und: Natürlich liegt es am Klimawandel. Wer nicht an den Klimawandel glaubt, ist wie jemand, der nicht glaubt, dass bei Ebbe das Wasser wieder zurückkommt. Daß das überhaupt Glaubenssache sein kann, die Folgen einer stündlichen Freisetzung von weltweit Millionen Tonnen fossilem Kohlendioxid als erwartbar anzusehen! Zusammenhang zwischen Ökologischem Gleichgewicht und Photosynthesebilanz gerne auf Anfrage, wäre aber wohl zwecklos. Glaubt die Red.). Hurricane

 

Tod durch Sitzen

22.6.17 Auf NDR Das! weist ein Bewegungscoach auf schlimme Folgen für unseren Körper hin, die sich beim Sitzen einstellen. Sitzen an sich sei ungesund, ja fast schon lebensgefährlich. US-Energiesparer frohlocken: funktioniert der Elektrische Stuhl auch ohne Strom? Wahrscheinlich schon, es dauert halt länger.

Filterwochen

22.6.17 Satz des Tages: Wenn starke Kaffeeliebhaber heiraten, fahren sie in die Filterwochen. Keine Pointe, aber wenn man das laut ausspricht, kommt man kaum noch davon los.

Heiratszwang oder Zwangsheirat?

19.6.17 Mit der Forderung „Ehe für alle“ ziehen die Grünen in den Wahlkampf, in der Hoffnung, dass dann auch alle zustimmen. Allerdings funktioniert die Strategie nur, wenn gleichzeitig „Scheidung für alle“ angeboten wird, also auch Scheidung für solche, die sich bislang nur das Heiraten leisten konnten. Vor allem die künftigen minderjährigen EhegattInnen werden sich freuen, dass ihr Elendsdasein anerkannter Status wird. Gattendrang Bedeutet „Ehe für alle“, dass jetzt jede/r ein Recht auf das Geheiratetwerden hat? Ja – nur nicht von wem. Wenn schon reaktionär, dann richtig:  Im alten Sparta durften Junggesellen, die älter waren als 35, von ledigen Frauen öffentlich geohrfeigt werden. Diese alten Griechen kannten offenbar noch keine Schwulenehe. Wenn „Ehe für alle“ als Pflicht verstanden wird, bekommen endlich Kuh und Esel, Hund und Katze die Rollen, die ihnen öfter zustehen, als man für wahr halten möchte. Das Zölibat wird dann zum Luxusstatus bzw. elitäres Merkmal für katholische Priester.
Welche Partei übernimmt endlich die ökologische Kompetenz? Dringend!

Schwarzhumorversteher

17.6.17 Anlässlich des satirischen Aufmachers der taz von heute kam es zu spontanen Entblössungen latent rigider Seelenhaltungen: „Ich mag Satire und schwarzen Humor. Aber…“usw. Eines ist sicher: Wenn sich Mitmenschen selber das Zeugnis für Satireverständnis und schwarzen Humor ausstellen, kann man darauf wetten, dass solche Zeitgenossen keinen Funken Verstand aufbringen für Satire und schwarzen Humor. So funktioniert ihr Schema: „Ich bin total für Menschenrechte, aber…“ bzw: „Die Meinungsfreiheit ist unser höchstes Gut, allerdings…“. Auch erwartbar: „Ich bin total gegen Krieg, jedoch…“. Und natürlich: „Ich bin entschieden gegen die Todesstrafe. Nur wenn…“ Satireversteher
(Anm. d. Red.: aus Gründen politischer Korrektheit wird der Begriff „schwarzer Humor“ künftig ersetzt durch „starkpigmentierter Humor“.)